
Gesundheitsrisiken für die Österreichische Bevölkerung durch die Abnahme des stratosphärischen Ozons | Stana Simic

Der Abbau des
stratosphärischen Ozons gehört zu den gravierendsten Veränderungen der
Erdatmosphäre in neuerer Zeit. Als Folge der langfristigen Ozonabnahme ist die
Anzahl der Tage mit dünner Ozonschicht und daher erhöhter sonnenbrandwirksamer
UV-Strahlung gestiegen. Episoden mit einem Ozonschwund von mehr als 30%, die zu
einer merklich verstärkten UV-Belastung der menschlichen Haut führen, sind im
Spätwinter und Frühling besonders häufig. Seit Anfang der 1990er-Jahre treten
im Winter und Spätwinter auch über Österreich so genannte Ozon-Mini-Löcher auf.
Während solcher Ozon-Mini-Löcher können die Ozonwerte
auf ein ähnliches niedriges Niveau wie beim Antarktischen Ozonloch absinken. Dabei kann sich die Sonnenbrandgefahr um
einen Faktor 2 und das Risiko einer DNS-Schädigung um einen Faktor 4 erhöhen.
Über die
letzten zwei Jahrzehnte hinweg gab es eine deutliche Zunahme der Neuerkrankungen
am bösartigen Melanom in Österreich. Während bei Frauen nur ein leichter
Anstieg zu erkennen ist, ist dieser bei Männern deutlich höher.
Aufgrund des
vor 20 Jahren unterzeichneten Montrealer-Protokolls zum Schutz der Ozonschicht
sowie dem Verbot der Produktion von FCKWs und anderer halogenierter Spurengase
haben die Konzentrationen ozonschädigender Substanzen in der Stratosphäre ihren
Höhenpunkt überschritten und sind seit einiger Zeit rückgängig. Die noch offene
Frage ist allerdings, wie sich der Klimawandel in der Stratosphäre auswirkt und
die Erholung der Ozonschicht beeinflussen bzw. verzögern könnte.
Hinzu kommt,
dass für die UV-Belastung neben dem Gesamtozon auch die Bewölkung und deren
Veränderung eine Rolle spielt. Verschiedene regionalisierte Klimaszenarien für
den alpinen Raum lassen einen deutlichen Rückgang der sommerlichen Bewölkung
erwarten. Demzufolge würde die UV-Tagesdosis zunehmen und über das Freizeitverhalten
zu vermehrter Sonnenexposition und erhöhten Hautkrebsraten führen.
Abb.1 : Jährliche Neuerkrankungen am Malignen Melanom
in Österreich, absolute Zahlen
Die Intensität der an der Erdoberfläche
eintreffenden UV-Strahlung wird durch die Konzentrationen des stratosphärischen
Ozons sowie durch Bewölkung, Aerosol-konzentration und -zusammensetzung und
Oberflächenalbedo beeinflusst. Besonders wichtig ist die im Zuge der globalen
Klimaänderung veränderte Bewölkung. Verschiedene regionalisierte Klimaszenarien
für den alpinen Raum lassen einen deutlichen Rückgang der sommerlichen Bewölkung
erwarten. Wenn dies zutrifft würde die UV-Tagesdosis zunehmen. Führt das
Freizeitverhalten zusätzlich zu vermehrter Sonnenexposition, so ist mit
weiterem Ansteigen der Hautkrebsraten zu
rechnen. Wie man aus anderen Ländern
weiß, kann Aufklärung der Bevölkerung diesem Trend erfolgreich entgegenwirken.
Ansprechpartner:Stana Simic, BOKU-Wien, Institut für Meteorologie
Mag. Alois W. Schmalwieser,
Veterinärmedizinische Universität Wien
Dr. Hanns Moshammer, Inst. f. Umwelthygiene, ZPH,
Med. Univ. Wien
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