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tu_logo_kp.gifStickstoffdioxidmessungen am Sonnblick unter der Verwendung der Natrium-Jodid-Methode | Martin W. Koller

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Stickstoffdioxid (NO2) ist verantwortlich für eine Reihe von negativen Auswirkungen auf den Menschen und die Umwelt. Durch Messung einer Hintergrundkonzentration im hochalpinen Bereich können Erkenntnisse über langjährige Trends der Konzentration dieses Luftschadstoffes gewonnen werden. Die Natrium-Jodid-Methode (NaI) wird zur Bestimmung von Tagesmittelwerten von NO2 von EMEP für Hintergrundmessstellen empfohlen. Im Rahmen einer Diplomarbeit der TU-Wien wurden die analytischen Parameter dieser Methode, bei der NO2 an der beschichteten Oberfläche einer Glassinterplatte absorbiert wird, untersucht und schließlich während eines Jahres mehrere Messserien am hohen Sonnblick durchgeführt.

 

Allgemeines zu Stickoxiden

Stickoxide, kurz NOx, setzen sich zusammen aus Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) und entstehen hauptsächlich durch Verbrennung von Brennstoffen bei hohen Temperaturen. Eine der Hauptquellen für NOx ist der Verkehr. Derzeit werden in Österreich etwa 150.000 t NOx emittiert, wobei der Emissionstrend eindeutig einen Rückgang anzeigt. Zum Vergleich: 1990 waren es noch knapp 225.000 t. [Quelle: Umweltbundesamt]

 

NOx haben mehrere schädliche Auswirkungen. (Stickstoffoxide in der Atmosphäre - Luftqualitätskriterien NO2, Österreichische Akademie der Wissenschaften)

Einerseits beeinträchtigen sie direkt die menschliche Lungenfunktion, wobei NO2 in diesem Fall eine bedeutend größere Gefahr als NO darstellt. Weiters Stickoxide tragen außerdem maßgeblich zur bodennahen Ozonbildung bei, sind neben Schwefeldioxid verantwortlich für sauren Regen und bewirken damit Versauerung sowie Eutrophierung (Überdüngung) der Böden. In der Atmosphäre entsteht aus NOx gemeinsam mit Ammoniak partikelförmiges Ammoniumnitrat, welches besonders in der kalten Jahreszeit einen erheblichen Beitrag zur Feinstaub Belastung (PM10) liefert.

Derzeit gibt es in Österreich 141 Messstellen, welche NOx gemäß IG-L überwachen. Sie arbeiten auf lokaler und regionaler Ebene. (siehe Immissionsschutzgesetz-Luft)

 

Stickoxid-Messungen am Sonnblick sind aber insofern etwas besonderes, da es hier möglich ist Informationen über die Hintergrundkonzentrationen zu erhalten. Auf der abgelegenen Bergstation lässt sich die NOx-Konzentration ohne den störenden Einfluss von nahe gelegenen Emittenten messen. Auf diese Weise können Aussagen über kontinentale Trends getroffen werden. Das meteorologische Observatorium Sonnblick bildet gemeinsam mit den Observatorien am Schweizer Jungfraujoch, sowie den deutschen Stationen auf der Zugspitze und am Hohen Peissenberg die Europäische Grundlinien Station im Globalen Atmosphären Beobachtungsnetz (GAW) der World Meteorological Organisation (WMO)

 

Diskontinuierliche NO2 Messungen am Sonnblick

Ziel dieses Projektes war zu prüfen, ob die von EMEP (Cooperative Programme for Monitoring and Evaluation of the Long-range Transmission of Air Pollutants in Europe) vorgeschlagene NaI-Methode für routinemäßige Untersuchungen am Sonnblick geeignet ist und verschiedene analytische Parameter dieser Technik zu erfassen. Hintergrund ist die Tatsache, dass auf Grund von Interferenzen reguläre Geräte Probleme bei der genauen NO2 Messung haben. Diese Problematik wirkt sich besonders bei den sehr niedrigen Konzentrationen, welche am Sonnblick vorherrschen, aus.

Derzeit wird die so genannte Natriumjodid-Methode, oder eine ihrer Abwandlung, von etwa 50% der 57 von GAW gelisteten globalen und regionalen Stationen, welche NO2 messen, eingesetzt. (GAWSIS)

 

Die von EMEP vorgeschlagene Methode basiert auf der nasschemischen Umwandlung von Nitrit (NO2-) in einen Azofarbstoff, welcher dann photometrisch bestimmt wird. Am Sonnblick wird NO2 jeweils 24 h lang auf mit Natriumjodid imprägnierten porösen Glassinterplatten, welche in Glasrohren eingeschlossen sind, gesammelt und als Nitrit fixiert. Diese Glasrohre werden dann verschlossen und nach Wien verschickt wo sie im Labor der TU Wien analysiert werden.

 

Projektergebnisse:

Insgesamt wurde im Zeitraum Oktober ’04 bis August ’05 mehr als 120 Tage lang gemessen, wobei die Parameter der Methode oftmals variiert wurden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse der Messkampagne Sonnblick, welche in 6 Serien unterteilt ist:

 

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Abbildung 1 Ergebnisse Sonnblick (NO2 Konzentration = grün; Erfassungsgrenze = rot; verwendeter Gasfluss = grau)

 

Die harschen Bedingungen am Sonnblick und die sehr niedrige vorherrschende Konzentration bewirken, dass die Originalmethode angepasst werden muss, sowohl im Sampling- als auch im Analysenteil. So konnte durch leichte Veränderungen der chemischen Analyse die Auflösung der Methode im Spurenbereich verfünffacht werden

Eine wesentliche Rolle für die Abscheideeffizienz spielt die relative Luftfeuchtigkeit. Bei >35% r.h. kann eine Probennahme auch bei Flüssen von bis zu 0,25 Nm³/h mit einer Effizienz von >90% durchgeführt werden. Bei <30% r.h. sinkt die Abscheideeffizienz auf 60-80 % selbst bei Flussraten von nur 0,10 Nm³/h.

Die NaI-Methode kann daher zur Bestimmung von Tagesmittelwerten am Sonnblick eingesetzt werden.

 

Während 33% der untersuchten Tage betrug die NO2 Konzentration unter 0,1 ppb und 71% der untersuchten Tage lag sie unter 0,3 ppb.

Die durchschnittliche Konzentration von NO2 am Sonnblick während der gemessenen Tage war 0,22 ppb (= 0,45 µg NO2/m³). Der Vergleich mit dem derzeit gültigen Jahresmittelgrenzwert (IG-L) von 40 µg NO2 /m³ zeigt, wie gering (~1%) dieser Wert ist.

 

Ansprechpartner:
Martin W. Koller, TU-Wien, Institut für Chemische Technologien und Analytik
Anne Kasper-Giebl , TU-Wien, Institut für Chemische Technologien und Analytik
 
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