Kupferstich Sonnblick Observatorium Geschichte des Sonnblick Observatoriums


Julius Hahn, Quelle: ZAMG

Das Sonnblick Observatorium wurde 1886 am Hohen Sonnblick errichtet.
Wie kam es dazu, dass ein Observatorium an einer solch exponierten Lage gebaut wurde?
In den 1870igern rückte die Erforschung der höheren atmosphärischen Schichten immer mehr ins Interesse der Meteorologen – wusste man doch, dass hier wichtige Informationen verloren gingen. Beim Weltkongress der Meteorologen im Jahre 1879 in Rom wurde die Erforschung der höheren Luftschichten als gemeinsames Ziel festgelet. Durch die Initiative des Meteorologen Julius Hann (damaliger Direktor der 1851 gegründeten ZAMG) wurde nach einem passenden Standort gesucht. Dank der fortschrittlichen Infrastruktur durch den Bergbau im Raurisertal und dank der tatkräftigen Unterstützung des Rauriser Bergwerkbesitzers Ignaz Rojacher konnte 1886 das Sonnblick Observatorium am Hohen Sonnblick errichtet werden.

Die Erhaltung des Observatoriums lag anfangs in den Händen der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie, wäre jedoch ohne die Unterstützung Rojachers nicht möglich gewesen. Durch den plötzlichen Tod Ignaz Rojacher's im Jahre 1891 war jedoch die weitere Erhaltung des Observatoriums durch finanzielle Probleme gefährdet. Das war die Geburtsstunde des Sonnblick Vereins, der 1892 gegründet wurde und die finanzielle Basis für die Erhaltung des Sonnblick Observatoriums bereitstellen sollte. Dazu war es jedoch notwendig eine große Anzahl von Mitgliedern und Sponsoren zu werben was durch einen Aufruf zum Beitritt auch gelang. Zu den Gründungsmitgliedern des Sonnblick Vereins zählten viele bekannte Wissenschaftler und Personen des Wirtschafts- und Geistesleben des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts. Aus der Vielzahl seien hier Anton Dreher Bierbrauer aus Schwechat, der Kaffee-Commercialrat Julius Meinl oder Freiherr Albert Anselm von Rothschild erwähnt.

Die Erhaltung des Observatoriums stellte sich jedoch als eine sehr schwierige Aufgabe heraus und war oft von finanziellen Engpässen - manchmal sogar existenziellen Krisen - geprägt. Besonders die Zeiten nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg erforderten sehr große Bemühungen seitens der Verantwortlichen im Sonnblick Verein um die erforderlichen Geldmittel aufzutreiben.

Wilhelm Schmid nach dem Ersten und Luitpold Binder nach dem Zweiten Weltkrieg starteten sehr erfolgreiche Mitglieder Werbeaktionen. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine Reihe von beachtenswerten Sponsoringaktionen. Josef Bendl, ein Wiener Lehrer, veranstaltete Lichtbildvorträge über das Observatorium und begeisterte auch die Jugendlichen mit seinem spannenden Buch "Der Sonnblick ruft". Der damals noch weitgehend unbekannte Johannes Mario Simmel verfasste einen Kommentar mit Spendenaufruf im "Neuen Österreich". Siegfried Schwarzl, ein Wiener Musiker und Meteorologe veranstaltete ein Benefizkonzert des Staatsopernorchesters zugunsten des Sonnblicks.

Durch diese geballten Hilfsaktionen konnten sogar in dieser wirtschaftlich sehr schlechten Zeit die Fananzierung gesichert werden. Heute stehen dem Sonnblick Verein jährliche Subventionen des zuständigeme Minsiteriums und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Vereins- und Sponsoringbeiträge für die Erhaltung des Observatoriums zur Verfügung. Auch der 1986 fertiggestellte Neubau des Sonnblick Observatoriums sowie der 1994 fertiggestellte Neubau der Talstation konnten durch entsprechende Mittel des damaligen Wissenschaftsministeriums von Österreich verwirklicht werden.

Österreich kann mit Stolz auf die nunmehr über 130 jährige Geschichte seines Sonnblick Observatoriums zurück blicken, einer weltweit einzigartigen Forschungsstation von der bedeutende Beiträge zur Meteorologie und Umweltforschung ausgegangen sind und ausgehen.

Mehr zur Geschichte des Sonnblick Vereins können Sie hier nachlesen.

Literaturtipps:

  • Edmund Josef Berndl, Der Sonnblick ruft, Österreichischer Bundesverlag.
  • Christa Hammerl, Der Rauriser Sonnblick. Von Goldgräbern, Wettermachern und andere Geschichten, Leykam Verlag.
  • Erika Scherer, Auf dem Weg zum Hohen Sonnblick, Rupertus Verlag.
  • Reinhard Böhm, Der Sonnblick hundertjährige Geschichte Observatoriums Forschungstätigkeit 1986, Österreichischer Bundesverlag.